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„Stefan redet immer von Sternenstaub.
Dabei meint er eigentlich Kometenhagel!“

Kostja Rohe (Mischer) über Klangvorstellungen

 

Minimale Missverständnisse im Tonstudio ergeben nicht immer das geplante musikalische Ergebnis, aber eine passende Headline für eine Geschichte:

 

Die Geschichte der SWOONS.

 

 

1990 - 1991


 

Denn als einst Thumbnail imageABBA vom Sternenstaub sprachen, meinten sie damit den wohlklingenden Dopplungseffekt, der durch das Übereinanderschichten der weiblichen Gesangsspuren entstand. In der recht freien Interpretation der SWOONS wurde daraus eine etwas härtere Variante: Pop ’n’ Punkrock. Oder eben auch ein musikalischer Kometenhagel von einer Band, die schon immer „etwas anders“ war.

Die Band gründete sich im Sommer 1990 in Wolfhagen, einer kleinen Thumbnail image nordhessischen Fachwerkstadt unweit von Kassel. Sie starteten als kleines Punkrocktrio: Mario an den Drums, Axel am Bass und Stefan an Gitarre und Gesang. Die Clubs und Jugendzentren Nordhessens waren nicht mehr sicher. Vor allem vor Axels gewagten Hemden und Shorts.
Schnell erweiterte man sich aber mit dem Gitarristen Thomas und noch etwas später schließlich mit zwei talentierten jungen Sängerinnen: den Freundinnen Tina und Tanja. Das erste „richtige“ Konzert zu sechst fand am 25. Januar 1992 im Wolfhager Juz statt. Stefan hatte Geburtstag und Bush Senior seinen ersten Golfkrieg.

 

 

 

 

1992 - 1994


 

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Die erste und zugleich rarste Single der SWOONS folgte nur wenige Monate später. Auf Incognito Records erschien die „We are exactly what you want“-EP in einer Sammleredition von nur 333 Stück.
Dann im Herbst 1992, nicht lange nach Klaus Kinskis Tod, erblickte das spaßige Debütalbum klaus„Klaus is dead“ auf Langstrumpf Records das Licht der Welt. Auch beim Artwork gab man sich Mühe: Neben Steckbriefen im Booklet druckten die SWOONS ein Kochrezept für Spaghetti al Forno direkt auf die CD. Ein Novum in der Rockgeschichte. Ihren ersten Plattenvertrag bekam die Band wohl vor allem deshalb so schnell, weil sie auf einem Langstrumpf-Festival im Sauerland mit einem dreifachen Auffahrunfall von sich reden machte. Eine Band, die so massiv Einsatz zeigte, durfte einfach nicht unentdeckt bleiben.

Charmant-rumpelnd und trashig-scheppernd bekamen die SWOONS erste Aufmerksamkeit in der deutschen Musikszene. Und auch im Ausland: der berühmte Radiomoderator John Peel spielte einige Songs vom Album in seiner Show. Prominente Fans von Beginn an waren auch die Punkrocker THE BATES, die die SWOONS von Anfang an immer wieder mit auf Tour nahmen (BATES-Mischer Martin Wagnitz ist auch für den Sound von 90% aller SWOONS Aufnahmen verantwortlich).
In den nächsten Jahren folgten weitere gemeinsame Konzerte mit klangvollen Namen wie SUCH A SURGE, THROW THAT BEAT, POISON IDEA, EXTRABREIT, DAISY  CHAINSAW, M. WALKING ON THE WATER, DAS AUGE GOTTES, YETI GIRLS, DIE  BRAUT HAUT INS AUGE oder BEATSTEAKS.

 

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1993 stand man noch unter der Schockwirkung eines ABBA-Retro-Revivals, was zu einer 4-Song-ABBA-Cover-Vinyl-EP führte. „bABBAlgum“ drehte sich auf den Plattentellern der Fans, bis 1994 endlich das zweite Album „Sonic Baby“ erschien. Hier hatte sich der Stil der SWOONS erstmals gefunden: schnelle Poppunksongs mit süßen Girlie-Vocals und seltsamen Soundeinfällen, wie einem mehr als merkwürdigen Geheimtrack des Wolfhager Trashstars „MC Deisel“. Vom durchgeknallten Cover und Booklet ganz zu schweigen. Diesmal hatte Tanja sämtliche Bandmitglieder zu Tierfiguren moduliert, die lächelnd ihre Instrumente in die Kamera hielten. Doch damit nicht genug: im Booklet gab es eine komplette Foto-Lovestory im Bravostil, eine skurile Hommage an die Star Trek-Serien. Das Album brachte der Band viele neue Fans und so spielte man sich mittlerweile deutschlandweit durch die Clubs. Das Thumbnail imagebrachte natürlich Terminstress mit sich, weshalb Tanja aus beruflichen Gründen die Band im Herbst 1994 verließ. Der damals gern von der Band live zelebrierte „Unterhosen-Contest“, bei dem die schönste oder auch peinlichste Publikumsunterhose gewinnen konnte, soll jedoch nichts mit Tanjas Entscheidung zu tun gehabt haben.

Zum Quintett geschrumpft, rockte sich die Band weiter in die Herzen der Fans.
Und sogar von Wissenschaftlern: SWOONS wurden ein Hauptbestandteil in einer musikethnologischen Magisterarbeit, die sich streng wissenschaftlich mit der nordhessischen alternativen Musiklandschaft beschäftigte.

 

 

 

1995 - 1997


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Erstmals erschien 1995 auch ein Tonträger im Ausland: Die Vinyl-EP „Party Time Lover“ erschien auf dem amerikanischen Punklabel Last Resort Records. Das darauf enthaltene BADTOWN BOYS-Cover „We are through“ wurde viele Jahre später tatsächlich von den BADTOWN BOYS entdeckt, die sich daraufhin in Nordhessen mit einem sehr freundlichen Brief bedankten.
Deutschland bekam in diesem Jahr außer Konzerten nur eine Mini-CD zu hören: „Sicher gibt es schlechtere Platten, aber diese ist die unsere...“ wurde auf Nasty Vinyl veröffentlicht und hatte u.a. lustige Coverversionen der LASSIE SINGERS und THROW THAT BEAT IN THE GARBAGECAN zu bieten. Der seltsame Plattentitel entstand in Anspielung auf die damals sehr erfolgreichen Ostpunksampler von Nasty Vinyl/Höhnie Records „Sicher gibt es bessere Zeiten, aber diese sind die unseren...“ Ein weiteres Beispiel für den unnachahmlichen Humor der Band.

1996 erschien ihr wohl mit Abstand bekanntestes Album „Klein und Faul“ auf dem WIZO Punkrocklabel Hulk Räckorz. Die Folge: noch mehr Touren, noch mehr Fans und sogar ein 45-minütiges TV-Livekonzert in der damals sehr beliebten Sendung „Absolut Live“ bei Radio Bremen. Eindrucksvoll war dabei unter anderem, wie Tina rote Farbe am Hals hinunter lief. Frisch getönte Haare sind leider nur bedingt etwas für schweißtreibende Konzerte.
Dies war die populärste Zeit der SWOONS. Sie wurden eine Referenz in Sachen deutscher Girlie-Punkrock und man war eigentlich nur noch unterwegs. Dann jedoch wurde es auch Thumbnail imageThomas zu viel und er stieg Ende des Jahres aus. Im gleichen Jahr erschien auf Last Resort Records das USA-Album der SWOONS. „You ass, ey!“ war eine Mischung aus exklusiven neuen Songs, neu eingespielten Bandklassikern und Best of-Album. Für Auftritte schaffte es die Band aber nie über den großen Teich.
Sehr unterhaltsam auch das Merchandising dieser Tage. Die Band verkaufte mit dem Bandlogo bedruckte Unterhosen, Handtücher, Luftballons, Zahnbürsten, Knattern und nicht zu vergessen: die legendären, zur POP KOMM angefertigten „KOMM POPPEN“ T-Shirts im Design der Kölner Musikmesse.

Die vier verbliebenen SWOONS nutzen weiterhin die unzähligen Liveshows, kurzen Playbackauftritte im WDR und vielen Radiosessions, um die Band weiter nach vorn zu bringen. Doch bei so einer enormen Belastung konnte es nicht ewig gut gehen. Zwar erschien im Frühjahr 1997 noch das „Hart aber herzlich“-Album, bei dessen offiziellem Kasseler Releasekonzert die noch völlig unbekannten Thumbnail image Berliner BEATSTEAKS den Support machten, doch bereits wenige Monate später verließ Tina aus persönlichen Gründen die Band.
Die übrigen Gründungsmitglieder waren geschockt und versuchten alles, um eine für den Herbst bereits gebuchte große Tour zu retten. Einige wenige Konzerte konnten noch mit Veera, einer Sängerin aus Paderborn gespielt werden. Doch dies war leider keine dauerhafte Lösung. Und so stand die Band kurz vor dem Abgrund.

 

 

 

 

1998 - 1999


 

 

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Ernüchtert formierten die drei Herren sich zu den SPERM DONORS und brachten im Frühjahr 1998 sogar auf Mad Butcher Records das Album „Kiss, Kiss Dianas Lips“ heraus. Ein klassisches Melodypunkrockalbum mit Stefan an den Vocals, das innerhalb von zwei Wochen geschrieben und in nur wenigen Tagen eingespielt wurde. Es folgten einige Konzerte und man war bereit, wieder ganz von vorn anzufangen.
Doch plötzlich lernte Mario eine junge Sängerin und Saxophonspielerin aus Schwalmstadt kennen. Die Chemie stimmte auf Anhieb und Thumbnail imageJutta übernahm die Frontposition bei den SWOONS. Und es war wirklich eine Übernahme: Juttas Energie und ständig wechselnden Frisuren gaben der Band neuen Spirit und ihr Saxophonspiel erweiterte das Klangspektrum der Band.
Stefan, der schon immer der alleinige Komponist und Texter der Band war, nutzte die Möglichkeiten für einen musikalischen Richtungswechsel. Der Ska hielt Einzug in die Musik und anspruchsvolle deutsche Texte verdrängten immer mehr den unbekümmerten Poppunk der frühen Tage. Man war eine neue Band und man wollte es auch zeigen.

 

 

 

 

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Ein erstes Statement war die Laut & lästig„Laut und lästig“ Mini-CD im Sommer 1998, für deren Titelsong die Band sogar ihr erstes und einziges Video veröffentlichte. Erstaunlicherweise schaffte es der auf Kölns Straßen gedrehte Spot sogar einige Male ins Fernsehen. Man sieht dort die SWOONS aus Sonnenstudios flüchten und sich mit frisch ausgerissenem Gras bewerfen. Wie gesagt, es war erstaunlich.
Im Herbst gingen sie wieder auf Tour. Bereits am 2. Tag der 18 Konzerte umfassenden Deutschlandreise schaffte es Stefan, Juttas Finger in einer Autotür einzuklemmen. Für eine Woche musste Juttas Saxophon schweigen, dann war wieder alles gut.
Mit im Tourgepäck war noch eine weitere Veröffentlichung, die bereits im Frühjahr 1998 erfolgt war: die erste und einzige Japan-CD der SWOONS. „Japanese Killer Drops“ auf 1+2 Records war ein reinrassiges Punkrockalbum mit ausschließlich exklusivem Material, das noch mit Tina während der 97er „Hart aber herzlich“-Session aufgenommen, jedoch erst verspätet veröffentlicht worden war.

1999 schließlich stellte die Band ihr neues Material für das Album Magnetsignale aus dem Nichts„Magnetsignale aus dem Nichts“ zusammen. Mit Gastmusikern der MONTESAS, BATES und NO RESPECT war das Album von Ska und kritischen deutschen Texten geprägt. Passend dazu fand man auch mit Vitaminepillen Records ein neues Label. Ein Highlight der Platte: „Mach mal das Licht an!“, der wahrscheinlich bekannteste Song der Band. Er wurde zusätzlich als Titelsong einer Mach mal das Licht an!Vinyl-EP auf Mad Butcher Records veröffentlicht. Ein lustiger Anti-Nazi-Ska, der noch heute auf Demos gespielt wird und der Band zusätzlich ein noch linkspolitischeres Publikum als bisher einbrachte: Red- und Sharpskins.
Die Zusammenarbeit zwischen der Band und dem MBR Labelboss Mad Mike war die logische Folge einer langjährigen Freundschaft. Diese hatte einst ihren Ursprung, als Mike eines Morgens aufgewacht war und außer dem Ohrsausen vom vorabendlichen SWOONS-Konzert, auch noch ein Dutzend, auf dem Nachttisch aufgereihter Schnapsgläser sein Eigen nennen durfte. Die telefonische Bitte einer Freundin, die für den nächtlichen Transport zuständig gewesen war und sich höflich aber bestimmt eine Innenraumreinigung ihres Autos wünschte, setzte jenem Tag einen denkwürdigen Schlusspunkt. Und eine Band, die so etwas mit Mad Mike anstellen konnte, musste zwangsläufig auch auf seinem Label veröffentlichen.

Die Konzerte jedoch wurden ab 1999 weniger, was auch an den beruflichen und familiären Verpflichtungen der Musiker lag. Zudem wohnten die SWOONS schon längst nicht mehr alle in Wolfhagen, was Proben- und Konzertorganisation erheblich erschwerte.

 

ab 2000


 

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Am 6. Oktober 2001 fand im Kasseler Club Barracuda leicht verspätet das Jubiläum zum 10-jährigem Bandbestehen statt.

Doch dies sollte noch nicht das Ende der Geschichte sein. Denn im Frühjahr 2005 plante Stefan ein weiteres Kapitel der SWOONS: ein Something differentBest of-Album und ein paar Abschiedskonzerte in ausgewählten Clubs, die der Band schon immer am Herzen lagen.
Und um auch noch einen musikalischen Schlusspunkt zu setzen, schrieb er 6 Jahre nach der „Magnetsignale“-CD noch einen letzten Song für die Band. Mit Tanja und Jutta am Gesang spielte man im Juli 2005 „The end of the show“ ein. Ein Dankeschön an alle Fans, Freunde und alle, die mit den SWOONS zusammengearbeitet haben.

SWOONS sind:

  • 8 Alben,
  • 6 EPs,
  • über 20 internationale Samplerbeiträge,
  • 8 Labels,
  • über 330 Konzerte in 15 Jahren,
  • davon 3 abgebrochen von der Polizei,
  • ca. 30 TV/Radio-Auftritte und -berichte,
  • über 1500 Gitarrensaiten,
  • über 100.000 Kilometer Autobahn,
  • 4 Busse,
  • 4 Übungsräume,
  • 4 Studios,
  • 2 demolierte Hotelzimmer,
  • unzählige verzweifelte Herbergsväter mit der Bitte um Ruhe,
  • ein wahnsinnig gewordener Radiomoderator,
  • 3 Tinitus-Erkrankungen,
  • ca. 1.000 Erkältungen,
  • 1 blaues Auge,
  • 1x grüner Star,
  • eine Blindarmoperation,
  • 3 Schwimmbäder Bier,
  • ein Tanklastzug Jägermeister und Schierker Feuerstein (absolute persönliche Bestmarke: 4,5 Liter Schierker in Hermsdorf für Band und Thekenfachkräfte),
  • 74,96 DM nur für Bier und Süßwaren an einer Tankstelle in Recklinghausen,
  • ein vergessener Koffer mit Toureinnahmen in Mainz,
  • 2 Schweineherden Currywurst-Pommes,
  • 2 Handvoll Fans, die zu Freunden wurden,
  • 4 Hochzeiten,
  • 5 Babys und
  • 7 verstreute Musiker in Frankfurt, Berlin, Dogern, Bad Wildungen, Marburg, Kassel und München

 

Weitere Bands aus der Wolfhager und Kasseler Gegend, mit denen die SWOONS häufig zusammenspielten:

ECHOLETTES, HAUNTED HENSCHEL, BRADLEYS (mit Marios Bruder an der Gitarre), DOG FOOD FIVE und FISHBIRD

 

 

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Aktualisiert ( Mittwoch, 29. Juli 2009 um 21:23 Uhr )
 

The end of the show

last.fm Playlist

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